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Eine Festhalle der Architekten Heinz Gaiser und Bruno Feigenbutz

Von Ulrich Coenen
Dieser Aufsatz ist im Original erschienen in: Die Ortenau - Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden 89 (2009), S. 469-474.

Brunnen beim Haus des Gastes
Brunnen beim Haus des Gastes

Das Haus des Gastes in Bühlertal gehört zu den besten Beispielen für eine moderne Fest- und Gemeindehalle in Mittelbaden. Auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach ihrer Vollendung wirkt die Architektur noch in jeder Hinsicht zeitgemäß. Das Gebäude beweist, dass die Kommune gut beraten war, für dieses Projekt einen Wettbewerb auszuschreiben. Das ist bei öffentlichen Bauten leider längst nicht immer üblich, was häufig zu sehr unbefriedigenden Ergebnissen führt, deren mangelhafte gestalterische Qualität und Alltagstauglichkeit noch viele Jahrzehnte lange Schatten wirft.

Zur Baugeschichte

Dass Bühlertal als Fremdenverkehrsgemeinde eine Festhalle benötigt, war spätestens seit Mitte der 1970er Jahre klar. 1978 trat das Projekt in eine konkrete Phase. Der Gemeinderat formulierte in seiner Sitzung am 12. Juni 1978 ein umfangreiches Raumprogramm mit über 1 300 Quadratmetern Fläche. Neben dem großen Saal mit Empore und Bühne (insgesamt 700 Quadratmeter) sollte der Neubau einen kleinen Saal, ein Restaurant, eine Kegelbahn, einen Proberaum und ein großzügiges Foyer aufnehmen. Entstehen sollte das Gebäude an der engsten Stelle des Bühlertals, dem Gelände des früheren Sägewerks Kern, also genau zwischen Unter- und Obertal.

Das Gremium lud im Juli des Jahres 1978 vier Architekturbüros zu einem beschränkten Wettbewerb. Am 25. November bewertete das Preisgericht die eingereichten Modelle und Entwürfe. Auf den ersten Platz setzte die siebenköpfige Jury den Entwurf der Architektengruppe Gaiser aus Karlsruhe (Heinz Gaiser, Bruno Feigenbutz). Den zweiten Preis erhielt der Bühlertäler Architekt Reinhard Häußler.
Auf Empfehlung des Preisgerichts beauftragte der Gemeinderat Gaiser und Feigenbutz am 20. Februar 1979 mit der weiteren Planung. Die Baukosten (ohne Außenanlagen) schätzten die Architekten auf Basis des Preisindex von 1979 auf knapp 5,8 Millionen Mark.

Obwohl das Ziel eigentlich klar war, gab es diverse Irritationen. Zunächst brachte sich ein Baden-Badener Investor ins Gespräch, der statt der Festhalle auf eigene Rechnung ein riesiges kegelförmiges Fitness Center für acht Millionen Mark errichten wollte. Der 21 Meter hohe Bau mit einem Durchmesser von 42 Metern sollte täglich 600 Gäste empfangen. Neben Tennishalle, Hallenbad und Sauna waren auch Vereinsräume vorgesehen. Die Gemeinde sollte sich deshalb für 6 000 Mark monatlich als Mitpächter engagieren und das wertvolle Baugelände kostenlos zur Verfügung stellen. Bürgermeister Benno Huber und der Gemeinderat lehnten ab. Doch damit waren längst nicht alle Schwierigkeiten überwunden. Die Sportvereine forderten statt der repräsentativen Fest- eine Mehrzweckhalle, die sie für Wettbewerbe nutzen könnten. Die Freie Bürgervereinigung (FBV), die bei der Gemeinderatswahl am 22. Juli 1980 stärkste Fraktion geworden war, verlangte einschneidende Einsparungen. Sie regte in der Ratssitzung im September die Streichung des Restaurants und den Umzug des Verkehrsamtes in den Neubau an. Zusätzliche Vereinsräume hielt die FBV für überflüssig. Für Proben könne die Wärmehalle des Freibades genutzt werden. Die CDU-Fraktion forderte schließlich 1981, einen Generalunternehmer mit der Realisierung des Entwurfs von Gaiser und Feigenbutz zu beauftragen. Sie hielt dies für die preiswertere Lösung.

Die Kostenentwicklung gestaltete sich insgesamt problematisch. Ursprünglich wollte die Gemeinde nur 4,5 Millionen Mark für den Bau der Festhalle ausgeben. Dass sich diese Absicht angesichts des großzügigen Raumprogramms, das im Architektenwettbewerb vorgegeben wurde, nicht umsetzen lassen würde, war bald klar.

Nun verzögerte sich der Baubeginn immer weiter. Bis September 1980 hatte die Gemeinde bereits 175 000 Mark für die Planung ausgegeben und nach der Erweiterung des ursprünglichen Konzepts um vier Vereinsräume war sogar von neun Millionen Mark Baukosten die Rede. Immerhin stellte das Land Zuschüsse in Höhe von 1,5 Millionen Mark in Aussicht. In einer Kampfabstimmung stimmte der Gemeinderat dem Projekt im November 1980 mit 12:6 Stimmen schließlich endgültig zu.

Die Ausführungsplanung begann im März 1981, die Baugenehmigung wurde am 22. September erteilt. Nach dem ersten Spatenstich am 20. November schritten die Bauarbeiten zügig voran. Der von der CDU geforderte Generalunternehmer kam nicht zum Zuge, weil seine Beauftragung an der Vergabe und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) scheiterte. Am 23. September 1983 schließlich wurde das Haus des Gastes offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Zur Architektur

Das Gebäude entstand an einem städtebaulich markanten Punkt, nämlich einer ehemaligen Gewerbefläche genau zwischen den beiden Ortsteilen. An der engsten Stelle des Bühlertals setzten die Architekten Heinz Gaiser und Bruno Feigenbutz einen neuen Schwerpunkt im Stadt- und Landschaftsbild.

Die Festhalle, die sich wohltuend von den zahllosen Mehrzweckhallen in Gemeinden vergleichbarer Größenordnung abhebt, wurde auf einem schmalen Gelände zwischen der Bühlot und den steil aufragenden Schwarzwaldfelsen errichtet. Das in den Hang gestaffelte Haus des Gastes passt sich der Topografie hervorragend an. Es ist an der Flussseite zweigeschossig und an der Bergseite eingeschossig. Auf die dörfliche Umgebung auf der anderen Bachseite nimmt es mit seiner geringen Höhenentwicklung Rücksicht. Trotz seiner markanten Architektur sprengt es die städtebauliche Umgebung der Gemeinde mit ihren rund 8000 Einwohnern nicht. Diese Einbindung in die unmittelbare Nachbarschaft gelingt den Architekten durch die Auflösung des Bauprogramms in mehrere Baukörper, die sie geschickt angeordnet haben. Mit seinen immerhin 2230 Quadratmetern Gesamtnutzfläche bildet das Haus des Gastes nämlich keine gewaltige und alles andere erschlagende Baumasse.

Zentrum ist der quadratische große Saal mit Empore und Bühne, der an die Felswand gerückt ist. Der Raum ist für verschiedene Nutzungen geeignet. Er bietet 495 Sitzplätze bei Reihenbestuhlung oder 452 betischte Plätze. Dieser wichtigste Treffpunkt für die Bürger und Touristen der Gemeinde ist mit einem Zeltdach mit offenem Dachstuhl gedeckt. Durch die diagonal angeordnete Bühne rückt der Zuschauer sehr nahe an die dort präsentierten Vorführungen.

Foyer, kleiner Saal und Restaurant schließen in Richtung Bühlot an und sind entlang des Baches in drei Baukörper mit gestaffelten Pultdächern gegliedert. Der erste Entwurf sah über dem Foyer noch ein alle anderen Dächer überragendes Walmdach vor. Im weiteren Verlauf der Planung rückten die Architekten glücklicherweise von diesem Konzept ab. Das Foyer wäre ansonsten stärker akzentuiert worden als der große Saal, der zwar nicht geometrisch, aber ideell im Zentrum steht.

Durch das unmittelbare Heranrücken von kleinem Saal und Restaurant an die Bühlot entstand zwischen Felswand und Gebäude ein Veranstaltungsplatz, der gegen den Verkehrslärm der Durchgangsstraße abgeschottet ist. Der Platz hat räumliche und funktionale Beziehungen zum Foyerbereich der gesamten Anlage. Das Funktionsprogramm wurde durch die Architekten in zwei Ebenen konzipiert. Der Versatz im Baugelände ermöglichte es, betriebstechnischen Einrichtungen und Nebenräume an der Bergseite im Kellergeschoss unterzubringen. Auf diese Weise erscheint die Anlage vom Festplatz her eingeschossig. Das auf zwei Ebenen liegende Foyer ist die innerräumliche Fortsetzung des Festplatzes. Um die Festplatzebene des Foyers gruppieren sich kleiner Saal, Restaurant und Galerie des großen Saals sowie die Treppe zum unteren Foyer. Von dort aus wird der große Saal betreten.

Die Holzarchitektur der Festhalle greift im Hinblick auf die Materialwahl eine im Schwarzwald traditionelle Bauweise auf. Oberhalb des nur teilweise sichtbaren Untergeschosses wurde das Gebäude in Holzskelett-Bauweise errichtet. Diese ist aber durch und durch modern und in keiner Weise tümelnd. Ein primäres Zangenbindersystem der Decken ruht auf zwischen den Zangen platzierten Holzstützen. Im Bereich der Pultdächer wurden Sparren in die Zangenbinder eingebaut. Der große Saal wird von einer Holzkonstruktion überspannt. Das tragende System ruht auf fünf runden Betonstützen und der Bühnenwand. Durch die diagonal angeordneten Binder wird die Spannweite erheblich verkürzt.

Architekturkritikern wird gerne vorgeworfen, dass sie der schnellen Nachricht wegen Neubauten bereits vor der Fertigstellung besprechen. Ob sich das Gebäude in der Praxis bewährt, weiß zu diesem Zeitpunkt natürlich niemand. Nach einem Vierteljahrhundert kann man sicher behaupten, dass das Haus des Gastes die ihm zugedachte Aufgabe hervorragend erfüllt und gleichzeitig ein sehr wichtiger Beitrag zur zeitgenössischen Architektur in Mittelbaden ist. Bauherr und Architekten ist ein großer Wurf gelungen.

Literatur

  • Bürgermeisteramt Bühlertal (Hrsg.) Haus des Gastes. Festschrift zur Einweihung am 23. September 1983, Bühl 1983.
  • CDU-Fraktion legt erneut gegen Beschluß ihren Widerspruch ein. In: Acher- und Bühler Bote vom 21. Mai 1981.
  • Coenen, Ulrich: 25 Jahre Haus des Gastes. In: Acher- und Bühler Bote vom 23. September 2008 (Nr. 223), Seite 19 (Sonderseite).
  • Entwurfsgutachten für Festhalle werden ausgestellt. In: Bühlertäler Gemeindenachrichten vom 8. Dezember 1978.
  • Festhalle auch finanziell mehrheitlich vom Gemeinderat abgesegnet. In: Bühlertäler Gemeindenachrichten vom 14. November 1980.
  • Fit-in-Center Alternative zur Festhalle?. In Acher- und Bühler Bote vom 17. Februar 1979.
  • Haus des Gastes - Fest- und Veranstaltungshaus, Bühlertal. In: Deutsche Bauzeitung 8 (1985), S. 16 - 18.
  • Weitere Planung der Festhalle über reduziertes Raumprogramm vergeben. In: Bühlertäler Gemeindenachrichten vom 27. Juli 1979.
  • Zum Thema Festhalle. In: Bühlertäler Gemeindenachrichten vom 30. März 1979.

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